Kontakt: info@pannoniafreunde.de Gästebuch besuchen Das wärs gewesen Pannonia P350 von 1971 VON IMRE PAUlOVITSi FOTOS: TIBOR MOLOVAl, IMRE PAUlOVITS, ARCHIV LACKNER, MOLOVAl, VÖRÖS Quelle: Motorrad Classic 1/1998 Dieses Teil wurde dann zusammen mit der P350 am 21. Dezember 1971 der heimischen Presse und Händlerschaft vorgestellt. Doch die konnten mit diesen,  ihrer Zeit auf dem ungarischen Markt weit vorauseilenden, Geräten nichts anfangen. So wurden dann auch gar keine Anstrengungen unternommen, sich die  Meinung des westlichen Auslands einzuholen, darauf hatte die Entwicklungsmannschaft so gehofft. Drei P350 Prototypen hatten sie gebaut. Zwei mit lackierten,  runden Kotflügeln, silbernem Rahmen und blauem Tank, und die Lacknersche Maschine. "Die anderen beiden sollten die Basisausführung darstellen, meine die  Luxusausführung. Sie unterschied sich noch durch Auspufftüten, die dicker waren, größeren Bremsen und der dickeren Gabel von der Standardausführung.  Besonders auffällig ist die Chromqualität, die sich in dieser Güte selten an Ostprodukten fand. Fachkreise wissen, dass der beste Chrom der Weil aus Chile  kommt. Es gab damals ein Austauschgeschäft mit Chile, die bekamen von uns Aluminium, wir Chrom, und den hatten wir gerade in der Fabrik, als die Teile der  P350 dran waren. Deshalb hat der Chrom auch die 20 Jahre im Keller unbeschadet überstanden." Dass aber das Material darunter nicht ganz so gut ist, hat  Lackner schmerzhaft erfahren müssen: Beim ersten Einsatz des Prototypen nach der Restaurierung, beim Bergrennen in Visegräd, brach der Lenker. Lackner landete im Krankenhaus und konnte  danach erneut mit dem Restaurieren beginnen.   Aber wie kam der Prototyp überhaupt zu ihm? "Die anderen beiden P350 wurden 1975 werksintern verkauft, sie existieren beide noch, sind aber völlig  verschlissen. Die Luxus blieb im Werk und wurde von Ausstellungsraum zu Ausstellungsraum geschoben. Irgendwann wollte sich niemand mehr an den  Motorradbau erinnern der Fahrradbau benötigte mehr Platz, und der Block, in dem sich die einstige Versuchs- und Rennabteilung befand, wurde hierfür geräumt.  Sämtliche Prototypen und Rennmaschinen kamen in einen Kellerraum ohne Fenster. Als die Fabrikanlage dann völlig privatisiert wurde, musste auch dieser  Raum irgendwann einmal geräumt werden.   Es gab einige Sammler, die schon eine ganze Weile hinter den Maschinen aus diesem Raum her waren und ständig beim Pförtner hausieren gingen. Der traute  sich natürlich nicht, die Motorräder herauszurücken, aber als ihm am Räumungstag klar wurde, dass die Maschinen zum Schrottplatz gingen, wenn sie nicht  sofort wegkämen - da hat er mich und zwei andere Sammler angerufen. Weil mir die P350 und die letzte Bol d´Or-Rennmaschine besonders nah standen, habe  ich sie beide gekauft."   Da die Rennmaschine völlig zerlegt und unvollständig war, machte sich Lackner erst an die P350 ran. Doch auch hier gab es viel zu tun. Die Prototypen wurden  im Keller systematisch geplündert. Insider wussten, welch exklusive Teile dran waren, und so haben sie sich mit Bestechungsgeldern Zugang verschafft. Die  Mikuni- und Bing-Vergaser, die Mitsubishi-Elektrik und Ceriani-Gabeln waren besonders beliebt, da blieb nichts übrig. An der P350 fehlten außerdem noch die  Motorendeckel, der rechte Zylinder samt Kolben und der rechte Auspuffkrümmer." Die Teile konnte Lackner jedoch nach fertigen. Was bis heute fehlt, sind der  linke Seitendeckel, die Blinker und das Original-Rücklicht. "Für den Seitendeckel müsste ich eine Form fertigen, auf der ihn jemand dengeln kann. Die Blinker, die  nach hinten und vorn strahlten und das Rücklicht kamen aus Italien. Ich habe beides nicht auftreiben können und stattdessen ein italienisches Rücklicht neueren  Jahrgangs genommen. Aber früher oder später kommen auch diese Teile noch her."   Doch hätte die Pannonia auf dem westlichen Markt eine echte Chance gehabt? Nach der Probefahrt meinen wir: mit den richtigen Modifikationen in der  Serienfertigung, entsprechender Oualitätssicherung und mit einem guten Marketing bei den Importeuren - ja.  Von den Fahrleistungen her ist die Pannonia mit einer Yamaha DS 7 zu vergleichen. Kräftiger, drehfreudiger Motor, handliches, aber etwas unstabiles Fahrwerk.  Auch die große Duplex-Trommel hält nicht gerade das, was die Optik verspricht, das kann aber auch an den alten und schon ziemlich ausgelutschten  Originalbelägen liegen. Die Schaltung ist etwas schwergängig, und beim Anfahren muss wegen des ungewohnten Schaltschemas umgedacht werden. Auch eine  Getrenntschmierung hätte sicher nicht geschadet.   Aber leider hatten ja Pannonia und die Ingenieure keinerlei Chancen. So bleibt den Ungarn heute nur noch die Erinnerung - und dieser  Prototyp.  
Schau Dir auch den neuen “Prototyp” der Pannonia an!