Kontakt:info@pannoniafreunde.deGästebuch besuchenDas wärs gewesenPannonia P350 von 1971VON IMRE PAUlOVITSi FOTOS: TIBOR MOLOVAl, IMRE PAUlOVITS, ARCHIV LACKNER, MOLOVAl, VÖRÖSQuelle: Motorrad Classic 1/1998 Auch die Entwicklungsabteilung durfte sich erlesenerer Teile bedienen als die Serienfertigung. Die Vergaser der Serienmodelle waren Mikuni oder Bing-Nachbauten, die vom Feinmechanischen Zulieferbetrieb in Eger kamen. Lichtmaschine, Regler und Zündung waren Mitsubishi Nachbauten desKraftfahrzeugelektrischen Zulieferbetriebs AVF in Budapest, doch keines dieser Erzeugnisse hatte auch nur annähernd die Präzision und die Zuverlässigkeitder kopierten Originale. "Bei den Prototypen haben wir dann tatsächlich Bing-Vergaser und Mitsubishi-Elektrik verbaut, denn der Ärger mit den Serien teilenwar bekannt Wir wollten uns bei den Probefahrten auf die Anfälligkeit der neuentwickelten mechanischen Teile konzentrieren." Wie dies ging, weiß Lackner noch ganz genau, war er doch damals auch einer der Testpiloten. "Alle Ingenieure bis hin zum Werksdirektor mussten Motorradfahren und hatten ihre Dienstmotorräder. Selbst erproben hieß die Devise". Aus der Zeit, als er noch in der Fertigung für Qualitätskontrolle zuständig war, kanner dann auch so manches berichten, "Jedes Teil, das in der Serie geändert werden sollte, musste vorher über 10000 Kilometer getestet werden. In der Praxishieß dies zweimal pro Tag die Strecke Budapest-Szeged und zurück, macht 800 Kilometer. Jeden Tag. Einmal musste ich im Winter das Lichtmaschinen-Antriebsrad testen, das der Parteisekretär wegen der Kosten als Neuerung aus Kunststoff machen ließ. In der Partei war er ganz groß, als Ingenieur eineNiete. Dass er da einen absoluten Mist vorgeschlagen hatte, wusste jeder, ich musste aber dran glauben und das Teil testen. Ich habe geschrien, als ich beiminus 16 Grad Celsius die zweite Tagesschleife fuhr, und erst kurz vor Szeged gab das Teil seinen Geist auf, Kilometerstand 8800. Weil es aber ein Entwurfdes Parteisekretärs war, hieß es: Hat fast 10 000 Kilometer gehalten, also in Ordnung,Darauf ging ich auf die Barrikaden und erreichte, dass der Lauftest noch einmal wiederholtwurde. Da bin ich aber nicht mehr nach Szeged gefahren, sondern habe die Maschine denganzen Tag auf der Motocross-Strecke in Farkasvölgy geprügelt, hier wurde mir wenigstensnicht kalt, und auf dem Rückweg ist das Teil meiner größten Freude kurz vor dem Werkstorzerbröselt. Kilometerstand 330. Dass der Parteisekretär danach nicht mehr mein Freundwar, ist klar" Ohnehin war das, was in den Werksberichten zu lesen war und das, waswirklich geschah, zwei Paar Stiefel. , Wir wussten genau, dass das Werk geschlossen wird,wenn wir nicht ein Wunder vollbringen. Die Produktionskapazität erschöpfte sich fast völligauf den Exportauftrag der Russen, und da hat das Werk auf jede Maschine 3000 Forintdraufgelegt, damals ein Monatslohn.Wir haben alles versucht, etwas zu verbauen, was sich in den Westen verkaufen lassenkönnte, und versuchten etwas zu entwerfen, das den Russen gefiel und sich billigerproduzieren ließ. Da haben wir in der Versuchsabteilung einen Prototypen nach demanderen fertiggestellt. Alle waren um Welten besser als das, was bis dahin gebaut wordenwar. Gyula Szente hieß damals der Chefingenieur, Dr. Miklós Kovács sein Stellvertreter.Doch die hatten mit diesen Maschinen nichts zu tun, wenn es offiziell in der Partei auchhieß, sie hätten sie entworfen. In Wirklichkeit hat Läszlö Sägi die Motoren gemacht, PeterBegätl, ein ehemaliger Jagdflieger, die Fahrwerke." So war die P350 1971 in Rekordzeit. entstanden: Von der ersten Zeichnung bis zumlaufenden Motorrad vergingen ganze sechs Wochen. "Das Papiermodell für das Motorgehäuse hat der Sägi noch am selben Tag, an dem er im Betrieb mit derZeichnung fertig war, abends zu Hause geklebt. Am nächsten Tag haben die Modellbauer die Gußrohlinge gefertigt und der Sägi hat selbst an der Fräsbankund am Bohrtisch gestanden und bei der Feinbearbeitung mitgeholfen." Gleichzeitig mit der P350 kam auch eine P 175, also eine halbierte P350. DasFahrgestell war identisch, Tank, Sitzbank und Kotflügel ebenfalls, die Maschine jedoch - und auch da lagen die ungarischen Ingenieure voll im Trend - mithohem Lenker und hohem Bügel hinter der Sitzbank im gerade aufkommenden Chopper-Look gestaltet.